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York Kaserne, Baufeld A2

Auf dem Baufeld A2 des neuen Stadtquartiers “York Kaserne” sollten zwei Blöcke in differenzierter Ausdrucksweise und Feinkörnigkeit gestaltet werden. Hierfür haben zwei Architekturbüros Heupel Architekten und Kaden + Lager ein Konzept entwickelt, die auf der einen Seite mit ihrer jeweils eigenen Sprache einen individuellen Ansatz schaffen, auf der anderen Seite durch ihre enge Kooperation den Charakter eines zusammenhängenden Ensembles gewährleisten.

Städtebau
Die durch den Masterplan vorgegebenen Randbedingungen geben eine klare Anordnung der Baukörper vor. Die offene Blockstruktur wurde aufgegriffen und ermöglicht eine sinnvolle Trennung von Gewerbe und Wohnen. Die U-förmigen Blöcke mit der Erschließung der Bürogebäude über den York-Platz und der Wohngebäude über die internen Erschließungsstraßen sichern die klare Adressbildung und leichte Auffindbarkeit.

Nutzung
Die beiden Gewerbebauten sind vorwiegend für Büronutzer mit Mieteinheiten zwischen 150 qm und 600 qm konzipiert. Ergänzt werden soll dieses Angebot um mindestens eine größere Co-Working-Fläche. Eine kleine Nachfrage an Praxisräumen wird erwartet. Die Gebäude sind als Dreibund konzipiert, so dass ein multifunktionales Spektrum an Nutzung gewährleistet ist.
Bei den Wohngebäuden soll ein wesentlich breiteres Angebot geschaffen werden. Hier liegt der Fokus auf einer sozial nachhaltigen Mischung. Sie sind geprägt von einem bunten Mix an Zwei- und Dreizimmerwohnungen. In den beiden südlichen Gebäuderiegeln werden vorwiegend förderfähige Zwei- und Dreizimmerwohnungen angeboten. Das südlichste Haus ist darüber hinaus als Seniorenhaus geplant. Unterstrichen wird dies durch den Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss sowie die Gemeinschaftsterrassen auf den beiden Flachdächern im Staffelgeschoss und die rollstuhlgerechte Ausbildung aller Bäder.

Freiflächen
Die Außenbereiche sind geprägt durch die Zurverfügungstellung von möglichst großen Flächen für eine gestaffelte Öffentlichkeit. So lebt der York-Platz von seiner allgemeinen Nutzung mit Angeboten an Sitz-, Spiel- sowie Aufenthaltsflächen und geprägt ist er durch die Anpflanzung heimischer Bäume. Die Durchgangsstraße lässt diese allgemeine Nutzung ebenfalls zu, orientiert sich jedoch eher an den Bedürfnissen der direkten Anlieger (Treffpunkte, Boulefläche, Spielgeräte). Hier ist die Pflanzung von Obstbäumen geplant.
Die Grünflächen der Sockel wiederum sind den Bewohnern des jeweiligen Blocks zugedacht, wobei den Mietern der Erdgeschosse ein Privatbereich zugewiesen wird. Die beiden Sockel erhalten eine Bepflanzung mit einer Mischung aus Wiese und Blumen (Präriegarten), die Wege und Aufenthaltszonen sollen mit einer wassergebundenen Decke ausgeführt und mittig gemeinsam zu bepflanzende Gemüsehochbeete integriert werden. Auch die Flachdächer der Gebäude erhalten unterhalb der aufgeständerten Photovoltaikanlage eine extensive Begrünung.

Architektur
Alle sechs Gebäude sind in Holz- bzw. Holzmischbauweise konzipiert. Als gemeinsames äußerliches Kennzeichen tragen die sechs Gebäude ihre Konstruktionsraster als erhabene Klinkerstruktur. Die differenzierte Herangehensweise an die zurückspringende Fassadenebene der Raster (Klinker vs. Holz) kennzeichnet den individuellen Ausdruck der Baublöcke. Dabei wird die Strenge der Raster durch die teilweise asymmetrische Setzung von Fenstern und Balkonen aufgelockert.

Unterschiedlich sind auch die Erschließungskonzepte der Wohngebäude und die markanten Einschnitte der zum Teil offenen Treppenhäuser in die Gebäudevolumen sowie die verschiedenartigen Rückstaffelungen im Dachgeschoss.
Neben Holz als nachwachsendem Baustoff werden auch alle anderen Materialien nach positiven Lebenszyklus-Werten ausgewählt.

Energiekonzept
Ziel des hier beschriebenen Energie- und Nachhaltigkeitskonzepts für die Büro- und Wohnbebauung auf dem Baufeld A2 im York-Quartier ist die Entwicklung ökologisch und ökonomisch optimierter Gebäude, die hohe Komfort- und Behaglichkeitsansprüche erfüllen, niedrige CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus verursachen, günstig und robust im laufenden Betrieb funktionieren und damit nachhaltig sind.

So werden die Gebäude hochgradig gedämmt und künstlich be- und entlüftet, um den KFW 55-Standard sicherzustellen.
Neben der Nutzung von Fernwärme als effizienten Energieträger wird vor allem durch die Bereitstellung der Photovoltaikanlagen auf den Dächern zur Eigennutzung ein wichtiger emissionsfreier Baustein in das Gesamtkonzept integriert.

Mobilitätskonzept
Neben der hervorragenden Anbindung an den ÖPNV (Linien 6 und 8 sowie zukünftig der WLW-Bahnhaltepunkt in etwa 500 m Entfernung) setzt unser Mobilitätskonzept schwerpunktmäßig auf die Nutzung von Fahrrädern. Zwischen den beiden Gebäudeblöcken sind überdachte Stationen für Leihräder (Fahr- und Lastenräder) mit Reparaturmöglichkeit geplant. Des Weiteren werden unter allen Bauteilen ausreichend Stellplatzmöglichkeiten (mit Ladestationen) zur Verfügung gestellt. Bei den Bürogebäuden werden diese durch Spinde und Duschen für Pendler erweitert.

Ergänzt wird das System durch ein Car-Sharing-Angebot für alle Gewerbe- und Wohnungsmieter. Des Weiteren sollen mindestens 100% aller PKW-Stellplätze mit Ladestationen ausgestattet werden können. Eine Mobilitäts-App wird die Verfügbarkeit von Leihrädern und -PKW sowie Mitfahrmöglichkeiten aufzeigen und eine leichte Nutzung gewährleisten. Idealerweise würde diese App einem weiteren Kreis an Nutzern zur Verfügung gestellt werden (Quartiers-App).

Typ:
Sechs Gebäude in Holzbauweise, 2/3 Wohnen, 1/3 Arbeiten

Ort:
York Quartier, Münster

Auslober:
KonvOY GmbH

Auftraggeber:
Grimm Holding GmbH

Status:
Wettbewerb – Konzeptvergabeverfahren
3.Platz

Jahr:
Planung: 02/2020 – 11/2020

BGF:
12.000 m²

Zusammenarbeit mit
Heupel Architekten BDA, Münster

 

Landschaftsarchitektur:
hochC LANDSCHAFTSARCHITEKTEN PartGmbB

Energiekonzept:
bauart Konstruktions GmbH & Co.KG

Visualisierung:
Atelier Noise

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Charlotte Arens | Anna Plückbaum | Ramona Schwertfeger