WoHoHo

WoHoHo – Vertikales Wohnen in Holzbauweise

WOHOHO SETZT ZEICHEN.
Als Landmark signalisiert es bereits aus der Ferne, dass hier die Hochhaus-Typologie einhergeht mit funktionierenden Nachbarschaften des Kreuzberger Kiez-Life. WOHOHO ist knapp einhundertfünf Meter hoch und besteht aus vier übereinander gestapelten „nachbarschaftlichen“ Blöcken. Dieses Prinzip signalisiert, dass hier die Dinge buchstäblich aufeinander aufbauen.

STÄDTEBAU
Selbstbewusst positioniert sich WOHOHO als freistehender Solitär auf dem Grundstück. Von der Straße zurückversetzt, lädt es den Passanten über den Vorplatz ein, entweder das Gebäude mit seinen öffentlichen und halböffentlichen Angeboten zu erfahren oder es lenkt ihn in den umliegenden Grünraum, der bestehende Nachbarschaften untereinander verbindet. Die leicht nach Süden versetzte, etwas spitzwinklige Nord-West-Ecke stellt Spaziergänger vor die Entscheidung: „Kurzer Stopp am Vorplatz oder weiter in Richtung Elise-Tilse-Park?“.
Der bereits existierende Pfad wird als wesentliches Element des nachbarschaftlichen Gedankens zu einem „Grünen Band“ umgestaltet, das weit mehr als nur eine Wegeverbindung bietet. Hier wird, eingebettet in den Grünraum, Platz für städtisches Leben in diversen Formen und räumlichen Qualitäten geschaffen, Nischen die je nach Bedarf bespielt und genutzt werden können. Dabei ist das „Grüne Band“ mit seinem Angebot sowohl für die Bewohner des WOHOHO als auch für Besucher zugänglich und nutzbar.
Der transparente Bereich des EG schließt an den Außenraum an, nimmt ihn quasi auf und öffnet sich dem Besucher mit einladender Geste. Kleinteilige „Büdchen“ schaffen eine Marktsituation und bilden das Angebot für den alltäglichen Bedarf. Zusammen mit den fünf über dem EG liegenden Wohngeschossen wird der erste der vier nachbarschaftlichen Blöcke ausgebildet, der mit 21m exakt die Berliner Traufhöhe aufnimmt. Über den speziell hierfür vorgesehenen Aufzug gelangt der Besucher auf die „Stadtebenen“, die weitere Angebote des öffentlichen, halböffentlichen und privaten Lebens in typischer Kiezmanier bieten. Eine Vernetzung findet am und im WOHOHO auch in der Vertikalen statt.

GRÜNRAUM
Der schlanke Fußabdruck des WOHOHO und seine Anordnung an der südlichen Grundstücksgrenze erlauben dem Grünraum das Gebäude zu umspielen. Gleichzeitig ist WOHOHO das Gelenk der grünen Verbindung von Mendelssohn-Bartholdy-Park auf der einen und Elise-Tilse-Park auf der anderen Seite und sorgt für die Aktivierung des Grünraumpotentials im Quartier. Mit dem „Grünen Band“ wird Freiraum für öffentliches und halböffentliches Leben am WOHOHO geschaffen, im östlichen Teil des Grundstücks schließt der ruhige, privatere Bereich an. Dieser wird vorrangig von Nutzern des Hochhauses besucht, Spaziergänger flanieren entlang dieser grünen, innerstädtischen Oase.
Um den geforderten Biotopflächenfaktor zu erreichen integriert das Konzept Maßnahmen in drei Dimensionen: Auf dem Boden, an der Fassade, in den Gebäudeebenen. Dank des schlanken Footprint erfolgt eine insgesamt geringe Versiegelung. Auf den „Stadtebenen“ bietet das WOHOHO Freiflächen ganz besonderer Natur, hier werden Hofsituationen innerhalb des jeweiligen Blocks kreiert. Anteilige Fassaden- und Dachbegrünung runden das Grünraumkonzept ab.

ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
Aufeinander Aufbauen ist das Prinzip des WOHOHO. Das Stapeln von Blöcken folgt dem Ziel, Vorgefundenes nicht einfach wegzufegen, sondern – ähnlich einem Trampelpfad – als Bedarf anzuerkennen und weiterzubauen. Folglich finden sich unterschiedliche öffentliche Funktionen auf vier so genannten „Stadtebenen“ in der Vertikalen und vervielfachen so den Raum für üblicherweise in der Erdgeschosszone angesiedelte Nutzungen. KiTa, Kleingewerbe, Bibliothek mit Fab Lab und öffentliche Bar, jeweils kombiniert mit Freiflächen. Diese zusätzlichen in die Vertikale verlegten Stadtebenen setzen sich aus zwei Geschossen zusammen: das jeweils untere sieht, das komplette Geschoss umlaufend, außenliegende Garten- oder Parkflächen vor. Durch Zurückspringen des darüber liegenden zweiten Geschosses wird das Sonnenlicht tief in die Grünflächen eingelassen. Dieses Prinzip folgt der Systematik hintereinander aufgereihter Berliner Höfe. Gestapelt verbessert sich die Lichtsituation beträchtlich.
Mit zunehmender Höhe, Horizont und Ausblick erweitert sich der Radius der vorgesehenen Nutzung bzw. deren Anziehungskraft auf Besucher von der direkten Nachbarschaft auf der ersten „Stadtebene“ auf ganz Berlin auf der Dachterrasse. Öffentliche und halböffentliche Nutzer erreichen die Stadtebenen genauso wie die Bewohner des WOHOHO – vergleichbar mit der Erschließung Berliner Hinterhöfe – durch Hindurchtauchen bis zur jeweiligen Ebene.
In Kombination mit jeweils fünf Geschossen zum Wohnen entsteht ein nachbarschaftlicher Block, wobei in jedem der vier Blöcke sowohl gefördert als auch frei finanziert gewohnt wird. Die Wohnungen sind umgeben von einer gesamtheitlich begrünten Balkonkonstruktion. Das Grün des Hauses strahlt auf die gesamte Umgebung aus.

MOBILITÄT UND RUHENDER VERKEHR
Ein breites Angebot unterstreicht den Ansatz zukunftsweisender Mobilitätslösungen. Die Tiefgarage versteht sich als eine Art Shared Parking Space, wobei dem Fahrrad als Mobilitätsträger Nr. 1 eine besondere Rolle eingeräumt wird. Für die Anwohner ist neben trockenen Abstellmöglichkeiten für ihre privaten Fahrräder, inkl. Lademöglichkeiten in den Tiefgaragen und einer zentralen Reparatur- und Luftpumpenstation, eine Leihstation für Mieträder geplant. Hier werden neben herkömmlichen Rädern auch E-Bikes, Lastenräder und Kindersitze angeboten.
Private PKW treten mit einem Schlüssel von 0,3 Stellplätzen pro Wohneinheit weiter in den Hintergrund. Stattdessen sind Stellplätze für Leihfahrzeuge und Car-Sharing, ebenfalls anteilig mit Ladestationen, vorgesehen.
Die Einfahrt für PKW und Fahrräder erfolgt direkt von der Schöneberger Straße während die Anlieferung auf der rückwärtigen Süd-West Seite des Grundstücks angeordnet ist.

KONSTRUKTION
Neben der Form fußt auch die Konstruktion auf Mischung: Das Hochhaus ist als Holz-Hybrid-Konstruktion entwickelt und setzt somit einen weiteren Beitrag zur Entwicklung innovativer Architektur. Wie das eingangs beschriebene Stapeln punktet auch hier die Kombination aus bewährtem und innovativem. Traditionelle Holz-Skelettbauweise wird kombiniert mit einfachem Stahlbeton sowie Hochleistungs-Werkstoffen. Alle tragenden und raumbildenden Bauteile werden für einen Feuerwiderstand von 120 Minuten bemessen.
Als aussteifendes Element wird der Erschließungskern in Stahlbeton-Massivbauweise erstellt. Die Fassadenstützen, welche über die Aussteifungsgeschosse als Outriggersystem wirkend an den Kern angeschlossen sind, tragen zusätzlich zur Aussteifung bei und generieren so eine für laterale Beanspruchungen robustes, nicht schwingungsanfälliges Gebäudestruktur. Die Decken und Stützen der Aussteifungsgeschosse werden in Stahlbetonbauweise errichtet. Die hohe Steifigkeit dieser für die horizontale Aussteifung wichtigen Geschosse, wird durch die Anordnung eines räumlichen, in die Fassadenebene integriertem Fachwerksystem in Stahlbetonbauweise gewährleistet. Die Balkone bzw. vertikalen Begrünungsebenen werden durch eine filigrane Stahlkonstruktion auf den auskragenden Stahlbetondecken der Aussteifungsgeschosse aufgeständert.
Die Untergeschossdecken in Massivbauweise bilden mit den Außenwänden und der Bodenplatte einen steifen Kellerkasten in den sich der Erschließungskern einspannt und so die Horizontallasten in den Baugrund einleiten. Die Gründung des Bauwerkes erfolgt über eine massive Bodenplatte, welche über Pfähle die Bauwerkslasten in den Untergrund ableitet. All dies führt letztlich zu angemessener Simplizität, das WOHOHO ist einfach und wirtschaftlich.
Nicht zuletzt stellt es als Holz-Hochhaus ein weiteres Mal die unbegrenzten Möglichkeiten nachhaltigen Bauens unter Beweis.

Typ:
Wohnhochhaus in Holzbauweise mit gemeischaftlichen, z.T. öffentlichen Nutzungen

Ort:
Anhalter Bahnhof, Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg

Auslober:
UTB Projektmanagement GmbH

Status:
Wettbewerb

Jahr:
Planung: 08/2020 – 12/2020

BGF:
21.000 m²

Landschaftsarchitektur:
Albert Armbruster, Büro für Landschaftsarchitektur

Tragwerksplanung:
bauart Konstruktions GmbH & Co.KG

Energie und TGA:
TRANSPLAN Technik-Bauplanung GmbH

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Charlotte Arens | Anna Plückbaum | Ramona Schwertfeger | Manu Scuto