uwh

avw_Schnitt

uwh – Neubau Erweiterungsgebäude Universität Witten-Herdecke

Integration in die Campus–Landschaft

Das Entwurfsgrundstück befindet sich zwischen drei Gebäuden, die alle auf ihre Art expressiv und ungewöhnlich sind, große Gesten machen.
Ziel des hier vorgestellten Entwurfs ist die Herstellung inhaltlicher Beziehungen zwischen den einzelnen Bausteinen. Die Form des Neubaus ist bewusst weniger expressiv als die seiner Nachbarn und „Ahnen“. Er tritt nicht in Gestalt-Konkurrenz zu Bestand und ZBZ. Das Haus stellt vielmehr mit subtilen Mitteln Beziehungen her und erweitert damit den Kanon am Campus um eine weitere, klare Stimme.
Die Gebäudeform ist leicht ablesbar und -nicht zuletzt durch die hohe Transparenz des Erdgeschosses- eingängig auch für neue Besucher des Campus. Dabei bleibt der Bestandsbau mit seiner einladenden Geste
auch künftige Hauptadresse der Uni. Er bleibt das Ziel am Endes des Campus.

 

Sensitivität der Oberfläche

Auf den zweiten Blick nimmt der Betrachter die Materialität des Neubaus wahr. Diesen umhüllt ein vorgehängtes Kleid aus unterschiedlich breiten Brettern, welche wechselweise montiert sind und die Fassade so lebendig strukturieren. Das Holz als „weiches“, organisches Material ist neu auf dem Campus. Bisher bestimmen Glas, Putz und Stein das Bild. Es erweitert hier den breiten Fächer an Materialien um einen buchstäblich nachhaltigen, zeitgenössischen Beitrag. Der Neubau tritt so mit den bestehenden Gebäuden in Dialog. Doppelfunktionen im Innenraum wie an der Fassade machen ihn effizient und flexibel. Die Holzverkleidung ist nutzerfreundlich. Die heimische Lärche ist sie unbehandelt im Außenbereich einsetzbar. Als natürliches Material ist mit Vergrauung zu rechnen. Diese kann je nach Ausrichtung unterschiedlich ausfallen und ist nicht exakt berechenbar. Der Auftrag einer Lasur ist jederzeit möglich, sodass auf unerwünschte Veränderung reagiert werden kann. Das Hanggeschoss, das die Bibliothek zum Süden hin abschließt, ist mineralisch konstruier und in seiner Funktion als Sockel auch mineralisch verputzt.
Die Fassade verfügt über Holz-Alu-Fenster, deren Gliederung dem Prinzip größter Flexibilität und Nutzerkomfort folgt [Stichwort Teilbarkeit der 20m² – Räume in sog. Denk-Zellen]. Die Fenster sind öffenbar, können vom Innenraum aus gereinigt werden. Alle Fenster sind bodentief und gut 2,60m hoch, sodass Lichteinfall und Ausblick maximiert werden. Jeder Arbeitsraum verfügt somit über einen großzügigen Bezug zum Außenraum. Das Erdgeschoss sowie der zentraler Treppenraum lassen Transparenz und Kommunikationspotenzial des Neubaus erahnen: die großzügige Pfosten-Riegel-Fassade gewährt Ein- und Überblick. So wirken alle öffentlichen, kommunikativen Einsatz von Holz Bereiche des Neubaus offen und einladend.

 

Die funktionalen Zusammenhänge im Neubau, allen voran die Gliederung durch die Aorta wurden an vielen Stellen optimiert:
. Die Aorta fungiert als Fortführung der Halle des Bestandsgebäudes, die „Rote Bank“ ergänzt das Rote Sofa.
. Die Bibliothek orientiert sich nun nach Süden und öffnet sich großzügig ins Pferdebachtal.
. Die Organisation von Haupteingang zum Neubau und Zutritt zur Bibliothek sind verbessert worden: Der zum Hang gelegene Teil der Bibliothek kann nun leicht separiert und im 24 h-Betrieb genutzt werden.
. Die Bibliothek selbst verfügt nun über größere zusammenhängende Flächen auf zwei Etagen plus den direkt zugänglichen OSCE-Räumen.
. Das Instrumentenlager fungiert als zusätzliche Probebühne
. Der Medienraum ist direkt an die Bibliothek angedockt.
. Die Seminarräume erfüllen alle Anforderungen an Flexibilität.
. Die WCs sind dezentral im Gebäude verteilt, sodass größtmögliche Flexibilität vorliegt hinsichtlich verschiedener Nutzungsszenarien.
. Studentische Arbeitsplätze sind in Randbereichen der Aorta angedockt zugunsten maximaler Effizienz.
. Die Teeküchen sind an optimalen Punkten in den Arbeitsbereichen platziert, sodass hohe Aufenthaltsqualität garantiert ist.
. Der Veranstaltungsbereich ist leicht abgesenkt zugunsten besserer Raumproportion und Ausrichtung auf die Bühnenfläche hin. Das Tragwerk ist optimiert worden, es entsteht Platz für Traversen und Beleuchtung

Typ:
Neubau Campuserweiterung in Holzbauweise

Ort:
Universitätscampus Witten-Herdecke

Bauherr :
Private Universität Witten/Herdecke

Status:
In Planung

Jahr:
Wettbewerb 1. Preis  (2019)

Planung: 2018 – 2019
Realisierung: 2020 – 2021

BGF :
6.880 m²

Tragwerksplanung:
Ifb Frohloff Staffa Kühl Ecker

TGA/Bauphysik:
Transsolar Energietechnik GmbH

Brandschutz:
Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG

Landschaftsarchitektur :
capatti staubach – Urbane Landschaften

Generalunternehmer | Ausführung Holzbau: 
Ed. Züblin AG, Bereich Heilbronn

 

Visualisierung:
atelier noise

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Georgia Bartley | Eva Bontzol | Aida Conde| Sebastian Dammeyer | Anna Kaczmarek | Era Merkuri | Charlotte Namuth | Markus Willeke |  Rahel Zerling