tws Ravensburg

Neubau Betriebs- und Verwaltungsgebäude der TWS in Ravensburg

Der Neubau des Betriebs- und Verwaltungsgebäudes der TWS Netz GmbH (TWS) in Ravensburg hat drei Aufgaben.

Neben der ersten Aufgabe, der Gebäudenutzung als Büroraum, gilt es zweitens, den Energieversorgers nahe des „Mobilitätsdrehpunkts Bahnhof“ angemessen zu repräsentieren. So wird der Ort beschrieben von Mobilität und Energie, den zentralen Themen unserer Zeit. Drittens resultiert aus zweitens, man will sich entschieden noch markanter positionieren. Die daraus abgeleitete Aufgabe zielt auf die Philosophie der TWS ab: Das Gebäude bezieht materiell wie auch über seinen architektonischen Ausdruck – Position zum Umgang mit Energie. Um diese Kernaufgabe zu lösen, wurden Gebäudevolumen, Ausrichtung und Fassaden entwickelt. Neben Fotovoltaik auf rund 500 m² Dachfläche werden rund 500 m² Fotovoltaik-Elemente an den hinterlüfteten Blechfassaden integriert. Auch die optimierte Ausrichtung ebendieser Flächen hinsichtlich Energieeintrag sowie des – zunehmd bedeutenden- sommerlichen Wärmeschutzes [hier: Eigenverschattung der Fassade durch vorspringende Module] ist zentrales Ziel des Entwurfs.

An den Süd /Süd-West sowie an der Ost-Fassade sorgen vorgehängte, präfabrizierte Solarmodule für Fassendtiefe [in zwei unterschiedlichen Größen, die sich in den Fenstergrößen wiederfinden]. Dadurch werden Lichtausbeute und Schallabsorption gleichermaßen maximiert. Der zur Charlottenstraße bzw. zum Bahnhofsplatz hin orientierte Gebäudekörper bildet den Hochpunkt des Entwurfs, markiert schon dadurch Kundenzentrum und Bürostandort der TWS. Durch seine Höhe wird der mittlere Gebäudeteil vor zu hoher Sonneneinstrahlung und damit vor Wärmeeintrag geschützt.

Die aus den Aspekten Eigenverschattung und Höhenentwicklung generierten Gebäudevolumen vermitteln schon durch ihre [Korn]Größe zwischen der größeren Struktur des Bestandsgebäudes sowie industrieller Anlagen aus dem mittelbaren Umfeld einerseits und den gründerzeitlichen Gebäuden in Richtung Innenstadt andererseits. Durch die Aufnahme verschiedener Fluchtkanten aus der näheren Umgebung [Straßen und Nachbargebäude] entstehen Volumen und Freiräume, welche den Neubau zwischen Bestand, denkmalgeschütztem Werksleitergebäude und Nachbarschaft wie selbstverständlich festmachen. Im Falle des nördlichen Gebäudeteils entsteht durch solch einen Rücksprung ein überdachter Abstellbereich für die Fahrräder der Mitarbeiter*Innen. Der nach Süd/Südwest orientierte Haupteingang wird durch den Arkadengang [Fortführung der Bestandsflucht] zum wettergeschützten Vorbereich und zeichnet das urbane Gesicht in Richtung Bahnhof, Bewegung, zur Stadt hin. Das Kundenzentrum ist so leicht auffindbar. Hohe Transparenz und Übersichtlichkeit spiegelt die Kundenerwartung wieder. Der Veranstaltungsbereich befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Kundenzentrum. Die Mitarbeiter*Innen gelangen sowohl von der Schussen- als auch von der Georgenstraße aus in das großzügige Foyer. Dies dient der Erschließung und verbindet gleichsam beide Eingänge, den Veranstaltungsbereich sowie auch das Kundenzentrum miteinander.

Das Untergeschoss sowie die zwischen den einzelnen Gebäudeteilen befindlichen Treppenhäuser werden in Stahlbetonbauweise ausgeführt. Das eigentliche Gebäude ist als Holz-Hybridkonstruktion entworfen. So wird dem Ziel eines geringen Primärenergiegehalts entsprochen und zudem CO2 in der Konstruktion gespeichert. Das CO2 wird der Atmosphäre entzogen. In den verwendeten Hohlraumböden können sämtliche Installationen geführt werden, sodass die vorgefertigten Holz-Beton-Verbunddecken von innen sichtbar sind. Raumakustische Elemente sind entweder integriert oder in derselben Holzart ausgeführt, sodass ein großzügiger Raumeindruck vorherrscht. Das Tragwerk ist eine Kombination aus Massivholzbau [Brettsperrholz] und Stahlelementen. Außenwände und Decken [Holz-Beton-Verbunddecken mit Recycling-Beton] sowie Stützen sind aus Holz, deckengleiche Unterzüge aus Stahlprofilen hergestellt.

Typ:
Erweiterungsneubau eines Bürogebäudes

Ort:
Ravensburg

Auslober:
TWS Netz GmbH

Status:
Wettbewerb

Jahr:
Planung: 09/2019

BGF:
4.700 m²

Technische Gebäudeplanung, Energieplanung:

M.Sc. Dipl.Ing Matthias Rammig,
TRANSPLAN Technik-Bauplanung GmbH

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Moritz Abele | Eva Bontzol | Thale Haverkamp | Julia Lapsin | Jessica Sprenger | Valentin Topp | Rahel Zerling