rom39

rom39_Hof
rom39_Schwarzplan
rom39_Pikto
rom39_Axonometrie
rom39_Strasse

rom39 – Campus Rosenheim

Die Wohnsituation ist angespannt. Das gilt aktuell für Metropolen, Großstädte, Ober- und Unterzentren. Gesucht werden effiziente, schnelle Lösungen. Gleichzeitig gilt es, sinnvoll und zukunftsorientiert zu bauen. Der hier erarbeitete Entwurf verfolgt beide Ziele gleichermaßen. Sowohl Effizienz und Geschwindigkeit wie auch Sinnhaftigkeit und Innovation werden in unterschiedlichen Maßstäben erbracht:
Aus stadträumlichem Blick wird ressourcenschonend operiert. Es wird nur so viel neu gebaut, wie nötig ist. Teile der bestehenden Gewerbehalle werden als Struktur für überdachte PKW- und Fahrradstellplätze, in Teilen auch für Wohnraum, weiter verwendet. Somit kann weitgehend auf eine Tiefgarage verzichtet werden. Auf den Dachflächen werden Gründächer und -je nach Möglichkeit- Freiflächen, wie beispielsweise Dachterrassen, installiert. Durch die Nutzung des Bestands werden Ressourcen geschont, die räumliche Situation erhalten und weiter ausgebaut. Die nördlich angrenzende Bebauung kann die Architektur des hier vertieften Entwurfs fortführen und so einen entscheidenden Schritt zur Durchmischung des Quartiers beitragen.

Der überwiegende Teil der Gewerbehalle wird zurückgebaut und weicht dem prägenden Ensemble aus Studentenapartments, Boardinghaus sowie den Gemeinschaftsbereichen Café, Werkstatt, Co-Working-Space etc. Die separaten Gebäude werden über ein System aus offenen Laubengängen miteinander verbunden. Bewohner unterschiedlicher Couleur aus Wohnheim und Boardinghaus verwenden dieselben, offenen Treppen und Wege sowie die angelagerten Aufzüge. Die Laubengänge sind zum Hof hin angeordnet, um den gemeinschaftlichen Charakter der jeweiligen Höfe zu stärken. Siehe hierzu auch „Konzept Freiraum“ unten. Dieses Erschließungssystem dient außer zur eigentlichen Gebäudeerschließung auch als großzügiger Freibereich sowie zum alltäglichen Austausch. Gerade im akademischen Arbeitsumfeld ist der Effekt solch zufälliger, ungezwungener Begegnungen und Gespräche „by the way“ enorm: Kurzer, direkter Plausch außerhalb der funktionsfixierten Räumlichkeiten fördert Kreativität und Offenheit.

Effizienz und Geschwindigkeit finden sich auch im Gebäudekonzept wieder: Die Gebäude sind als Holzmodulbauten konzipiert. Der Vorfertigungsgrad ist maximal. Unterschiedliche Gewerke [Zimmerer, Elektriker, Fliesen- und Bodenleger…] präfabrizieren die Raummodule bei kontrollierten Bedingungen in der Werkshalle und schaffen so enorme Präzision. Zudem werden die Module auf der Baustelle lediglich gestapelt und fixiert, was zu ungeahnter Geschwindigkeit führt. Neben den organisatorisch-wirtschaftlichen Vorteilen durch Vorfertigung, Präzision und schlanke Wandaufbauten [=Flächeneffizienz], leistet der Holzbau durch Verwendung eines nachwachsenden, CO2-speichernden Rohstoffs einen großen Schritt in Richtung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens. Die Laubengänge, Treppen und Aufzugsschächte werden aus [Recycling]Stahlbeton gefertigt und -auf einfache und bewährte Weise- von den Gebäudedächern abgehängt.

Die Apartments sind funktional organisiert. Gleichzeitig stellen sie einen hervorragenden Arbeitsplatz sowie behaglichen Wohnraum zur Verfügung. Die im Innenraum sichtbaren Holzoberflächen sorgen zum einen für hervorragendes Klima und schadstofffreie Raumluft, zum anderen für Identifikation und sensiblen Umgang mit dem Apartment als Rückzugsraum.

Das Boardinghaus folgt der gleichen Systematik wie die Apartments, ist aber etwas großzügiger. Die Wohngemeinschaften sind in den Eckbereichen der Gebäuderiegel untergebracht und nutzen die zwei- bis dreiseitige Belichtung. Die Fassade ist als vorgehängte und hinterlüftete Konstruktion aus Blech konzipiert.

Konzept Freiraum
Der vorhandene, etwa parzellenmittig angeordnete Gebäudegrundriss schafft umlaufend eine zusammenhängende, offen zugängliche Freifläche. Dieses zusammenfassende Raumprinzip wird für Entwicklung der Nord- und Südparzelle aufrechterhalten und weitergedacht.

Gemeinschaftliche Freiraumangebote werden weitmöglich innerhalb des Gebäudeensembles angeboten. Der umgebende Freiraum wird mit einem dichten Baumgürtel wie auch locker verteilten Einzelbäumen und Gruppen versehen. Analog der teilweisen Nutzung der vorhandenen Gebäudesubstanz werden die vorhandenen Belagsflächen erhalten, wie auch einzelne vorhandene bauliche Elemente wie Fundamentsockel oder Teile der ehemaligen Anlieferrampe.

Verbundpflaster oder notwendig zu ersetzende Flächen werden mit versickerungsfähiger wassergebundener Decke ausgetauscht. Situativ werden Flächen für einzelne neue Funktionen (Beachvolleyball, Baumstandorte, einzelne Pflanzflächen, … ) aus dem Beton- oder Asphaltbelag geschnitten.

Die drei neuen Hofräume werden als gemeinschaftliche Freiräume den vorgesehenen Nutzungen entsprechend gestaltet: Ein Werkhof mit robusten Betonelementen für Pausen und Arbeiten, ein ruhiger, pflanzenbetonter Gartenhof für Yoga oder Lesen und – im Norden – ein mit sowohl privaten, erdgeschossigen Außenräumen, als auch gemeinschaftlichen Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten.  Auch die Dachflächen werden hierzu möglichst zugänglich gemacht oder begrünt. Je nach statischen Möglichkeiten der Bestandsstruktur sind dies extensiv begrünte Flächen, es können teilweise aber auch bespielbare Rasenflächen sein.

Typ:
Städtebaulicher Entwurf für eine Campuserweiterung mit
Neubau studentisches Wohnen und Boardinghaus in Holzbauweise

Ort:
Marienberger Straße 39, Rosenheim

Bauherr:
PMA Invest GmbH & Co KG
Stadt Rosenheim

Eingeladener Wettbewerb:
2018

BGF :
10.720m²

Landschaftsarchitektur:
Thilo Folkerts, 100landschaftsarchitektur, Berlin

 

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Era Merkuri | Annika Schwippl | Samantha Schultz-Rittich| Markus Willeke