PE16W

Ausgangssituation
Grundlage der Projektentwicklung und des Entwurfes ist der Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2016, sowie der Gestaltungsleitfaden „Wohnen im Prinz-Eugen-Park“.
Das Baugrundstück WA 16 West, am südöstlichen Rand des Stadtquartiers Prinz-Eugen-Park gelegen, gliedert sich durch drei klar formulierte Baukörper in stufenweiser Erhöhung gen Süden. Neben den im Masterplan vorgesehenen Grünflächen im Westen und Norden, tragen unmittelbar angrenzende Parklandschaften im Osten und Süden zu weiterer Durchgrünung des Baufelds bei.

Projektbeschreibung
KONZEPT
Das Konzept des vorliegenden Entwurfs nimmt den Gedanken einer starken Vernetzung von Bebauung und Grünraum auf und führt ihn weiter. Die Gebäudevolumen werden im Rahmen der städtebaulichen Vorgaben optimiert. So entstehen drei kompakte Baukörper, der V- und VII-Geschosser rücken voneinander ab, bleiben jedoch durch eine durchlässige Laubengangtypologie mit Brücken und Begegnungsflächen verbunden. Sowohl die Vernetzung und Durchwegung zwischen innerem gemeinschaftlichem Wohnhof und äußerem Park wird gestärkt, als auch Sichtbeziehungen zur Nachbarbebauung zugelassen. Die Fuge ermöglicht zudem zusätzliche Wegeverbindungen in den Parkraum, das Bespielen der entstehenden Flächen durch gemeinschaftliche Nutzung und Bezug zum Nachbarn.

VERNETZUNG
Der Laubengang, der sich entlang des V-Geschossers in Richtung Hof orientiert, bietet durch seine außenräumliche Situation einen freien Begegnungsraum für nachbarschaftlichen Austausch und gemeinsame Aktivität. Des Weiteren generiert er eine effiziente Form der Erschließung – lediglich vier Treppenhäuser bedienen die insgesamt 86 Wohneinheiten. Durch Nischen, Rücksprünge, Brücken und Lufträume zu den Wohnungen wird im Bereich des Laubengangs der Übergang von Öffentlich zu Privat gleichzeitig thematisiert und gestärkt. Auch erfährt der Baukörper dadurch in der Horizontalen und in der Vertikalen eine Gliederung, einen belebenden Rhythmus und eine räumliche Großzügigkeit. Im III-Geschosser verhält sich das Thema der Erschließung zurückhaltender, gleichwohl erlauben die Fassadenöffnungen der Treppenhäuser auch hier den stetigen Bezug zum Grünraum. Die Nebenanlagen finden als Staffelvolumen auf dem Dach des V-Geschossers Platz und tragen zur feineren Ausformulierung der Höhenentwicklung der Gebäude und zur Aktivierung der zweiten „Stadtebene Dachgeschoss“ bei. Hier befinden sich Gemeinschafts- und Co-Working-Räume in Verbindung mit Außenflächen und „Urban Gardening“.

NUTZUNG
Entsprechend des Wohnungsbauförderprogramms (EOF/MMG/KMB) bietet der Entwurf eine hohe Varianz an Wohnungstypen und –größen (30 m² bis 105 m²). Hierbei verteilen sich die größeren – und Familienwohnungen zu den Seiten im VII- und III-Geschosser, während im mittleren „Laubenganghaus“ die kleineren Wohnungen hintereinander geschaltet sind. Den variablen Schottenbreiten folgend, ist hier in Ost-West-Richtung durchgestecktes Wohnen organisiert.
Die Gemeinschaftsbereiche des Wohnkomplexes konzentrieren sich auf den VII-Geschosser, das Dachgeschoss des V-Geschossers und die Fuge mit dazugehörigem Außenraum. Hier sind vielfältige Nutzungen denkbar: im Innenbereich stehen den Bewohnern im Erdgeschoss Gästeapartments, ein Versammlungs- und Veranstaltungsbereich und Co-Working-Räume zur Verfügung. In den Obergeschossen befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Fuge und offener Laubengangbrücke je eine „Waschmaschinenlounge“, die zum gemeinsamen Kaffee und Austausch im freien Miteinander einlädt. Der Außenraum bietet Platz für verschiedenste Spiele wie Basketball, Boule, Badminton, Tischtennis und Tischfußball, die Möglichkeit eines Freiluftkinos an einer der Hauswände – wobei die Ebenen der Laubengangbrücke als Tribüne genutzt werden können – sowie die Nutzung des Dachgartens.

TRAGWERK
Das Tragsystem der Gebäude gestaltet sich, entsprechend der Verteilung der Wohnungen und der konstruktiven Voraussetzungen im Holzbau, effizient. So sind im VII-Geschosser die Außenwände die aussteifenden Elemente, während der V- und III-Geschosser als Schottenbau ausgeführt ist. Holz als Baustoff bietet vielfältige Vorteile: neben seinen positiven ökologischen Eigenschaften als nachwachsender Rohstoff und natürlicher Energiespeicher, ist vor allem sein hoher Vorfertigungsgrad von Nutzen. Eine schnelle, präzise und effiziente Montage ist gewährleistet, was zu verkürzten Bauzeiten und hoher Qualität im Bau führt. Zudem hat Holz hervorragende raumklimatische Eigenschaften und ermöglicht Raumgewinn durch schlanke und leichte Konstruktionen.

FASSADE
Die Fassaden folgen in ihrer Ausformulierung zum einen dem dahinter liegenden Tragsystem und zum anderen ihrer Orientierung zur Sonne. So zeichnet sich der VII-Geschosser durch eine Lochfassade mit vereinzelt raumhohen Öffnungen zu den Balkonen aus. Die großzügige Verglasung zu den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss liegt. Im V- und III-Geschosser ermöglicht die Schottenkonstruktion einen hohen Grad an Aufglasung. So erfolgt hier eine raumhohe und schottenbreite Öffnung zum Parkraum im Westen, bzw. zum Wohnhof im Süden. Die Fensterebene liegt hier an der Innenkante Außenwand, sodass die tiefen Laibungen das Bild der Decken und Schottenkonstruktion regelrecht nach außen abzeichnen. Die restlichen Fassaden des V-Geschossers, als auch des III-Geschossers sind wiederum als Lochfassaden ausgebildet und nehmen so Bezug auf den VII-Geschosser.

Die Gebäude des Baufelds WA 16 west werden im Energie-Standard KFW 40 errichtet.

 

Eine Besonderheit des nachbarschaftlichen Miteinanders mit dem WA 16 Ost bildet die gemeinschaftlich genutzte Tiefgarage, deren Erschließung über den VII-Geschosser erfolgt. Der nicht motorisierten Mobilität wird hier ein hoher Stellenwert beigemessen, was zu einer großen Anzahl von Fahrradstellplätzen führt. Für eine sichere Erschließung der Fahrradhallen sorgt eine separate Fahrradrampe.

Typ:
3 Wohngebäude in Holzhybridbauweise mit 7, 5 und 3 Geschossen

Status:
Entwurfsplanung

Ort:
Jörg-Hube-Straße, München

Jahr:
2016-2019

Bauherren:
Bürgerbauverein München eG, BbvM

Wohneinheiten:
87 Wohnungen, 1 – 5 Zimmer, in den Förderprogrammen EOF, MMG, KMB

Weitere Nutzungen:
Gemeinschaftsräume, Gästeappartments, Co-Working, Dachgarten

Wohnfläche:
5736 m²

Tragwerksplanung:
bauart Konstruktions GmbH & Co. KG

Technische Gebäudeausstattung:

Ing. Wolfgang Spiegl GmbH

Brandschutzkonzept, Bauphysik, Schallschutz:

bauart Konstruktions GmbH & Co. KG

Landschaftsarchitekt:

liebald + aufermann PartG mbB

Visualisierung:

Team:
Tom Kaden   Markus Lager   Nikolai Happ   Sandra Scheffl   Samantha Schulz-Rittich   Marina Ouchi   Tabea Bauch   Esther Grabowski   Eva Dietrich   Rahel Zerling