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Kallhardt-Areal, Quartier für neue Wohnqualität

„Neue Qualität ist vielschichtiger“1 .In seinem Leitartikel erklärt Wolf Lotter den bisher geltenden Qualitätsbegriff und die ebenda abgehandelte Zweierbeziehung Anbieter – Kunde für überholt. Neue Qualität müsse alle beteiligten Parteien zufriedenstellen2. Tucholskys Ideal im Quadrat. Vielschichtige Qualität wird erreicht durch vielschichtige Angebote und differenzierte Einzellösungen auf jeweils angemessenem Maßstab. Das Kallhardt-Quartier stellt sich genau dieser Herausforderung: Neue Wohnqualität für heterogene Stadtbewohner auf ökologischer, sozialer und kultureller Ebene. Wie geht das?

Sieben Wohnhäuser und eine Kita bilden das linear angelegte Quartier zwischen Kupferdächle und Schmuckmuseum. Durch Position und Form der Häuser bleibt den Pforzheimern der Blick in den Stadtgarten erhalten bzw. wird durch gezielte Bezüge noch forciert. Der Raum, wie eine musikalische Partitur, dehnt und kontrahiert sich zwischen Stadt (Kallhardtstraße) und Stadtgarten bzw. Metzelgraben. Eine Art städtebauliche und landschaftsarchitektonische Ziehharmonika. Zwei klare und unterschiedlichen Facetten, nach Ost und West, jeweils mit einer Vielzahl an Funktionen und Charakteren, kommen hier zum klingen.
Entlang der Kallhardtstraße ergeben sich drei urbane Pocket-Plätze mit unterschiedlichen Themen; Die mineralischen Flächen öffnen sich zur Stadt, bilden einen einladenden Erweiterungsbereich in der Verlängerung der Untere Rodstraße und Rabenstraße und laden Einwohner und Besucher ins neue Quartier ein: Der ruhige Erlenhof um den Quartiersbaum dient als Rastplatz mit Features für Radler. Letzte Verschnaufpause vor dem Ziel des Nagoldtal-Radwegs oder letzte Einstellungen in der Fahrrad-Werkstatt werden hier gemacht.
Im Pocket Park geht es etwas geselliger zu: Ein Boule-Platz sorgt für lebendiges Treiben, die Galleries bieten Raum für Kultur und sind Attraktor auch über das Quartier hinaus. Schließlich steht der Birkenplatz als quartiersübergreifender Nukleus zwischen Kita, Seniorentreff und Kiezcafé. Hier treffen und trennen sich Kinder und Eltern, Eltern und Großeltern sowie Fußgänger, Radler und Autofahrer. Letztere kommen aus oder gehen in die Tiefgarage, in der sich neben den 51 Stellplätzen für die Bewohner auch die 41 Stellplätze fürs Kupferdächle befinden. Die Radler schließen ihre Räder an dezentralen, größtenteils durch die Architektur überdachten Fahrradbügeln an. Car- und Bikesharing – Stellplätze [auch für Lastenräder] mit E-Lademöglichkeiten finden ihren Platz ebenfalls im Untergeschoss.
Kita, Quartiersbüro sowie die drei Pocket – Plätze als quartiersübergreifende Bezugspunkte betten das Quartier als neue Qualität in die Umgebung ein.

Ganz anders wirken die begrünten Flächen entlang des Metzelgrabens. Hier sind private und gemeinschaftliche Gartenanlagen geplant.
Eine schattige Terrase und eine Vielzahl an aktiven und ruhigen Bereichen bieten den Kindern optimale Außenspielflächen. Nördlich der Kita und Südlich der Brücke Dr.-Brandenburg-Straße sind Privatgärten mit hoher Biodiversität vorgesehen. Die Bewohner profitieren also neben den urbanen Qualitäten auf der Stadtseite gleichermaßen von der Lage im Grünen. Die Vielfalt an unterschiedlichen Grün- und Gartenflächen bieten Räume für Sport, Erholung und Zeitvertreib. Grillplatz, Gemeinschaftsgarten, Fußballplatz, sowie botanische Fassaden bieten hier reichhaltige Möglichkeiten buchstäblich grüner Betätigung. Zudem sorgen Wäscheleinen für eine – sicherlich gemeinschaftsfördernde – Frequenz an alltäglichen Tätigkeiten im Bereich um die Waschcafés.

DIE HÄUSER. Es gibt Häuser für unterschiedliche Bedürfnisse: Insgesamt vier Laubenganghäuser, jeweils paarweise zusammengeschaltet, sowie drei Häuser mit interner Zweibunderschließung.

Die offenen Laubengänge fungieren als belebte Begegnungsfläche. Sechs Clusterwohnungen werden über Laubengänge erschlossen. Gemeinschaftliches Wohnen am Laubengang erfährt eine neue Qualität durch Offenheit und Doppelbelegung der Verkehrsflächen.

Die Zweibund – Häuser bieten Zwei- bis Vierzimmerwohnungen an. Bereits beim Betreten der Wohnungen fällt der Weitblick über die Loggien in den Stadtgarten, in den eigenen Garten oder in die städtische Umgebung. Ähnlich wie beim Blick zwischen den Häusern dient auch der Blick aus den Loggien dem Fokuswechsel zwischen direktem [privaten] Umfeld und weiterer Umgebung, also Pforzheim bzw. Stadtgarten.

Alle 49 Wohnungen verfügen über einen direkt zugänglichen Außenbereich. Sie sind klar organisiert und flexibel nutzbar. Alle Wohnungen sind barrierefrei erreichbar, 16 sind barrierefrei. Die kompakten Baukörper weisen ein ausgewogenes A/V-Verhältnis auf und ermöglichen hervorragende Belichtung der Wohnräume. Vier Dachterrassen auf Häusern und Verbindungssockeln sind intensiv begrünt und bieten Platz und Möglichkeit für Urban Gardening oder Farming. Die begrünten Fassaden sowie die Dachterrassen wirken sich positiv auf das städtische Mikroklima aus, dienen als Biotop für Insekten. Das Quartier zeigt seine Qualität in der Vielfalt.

1 aus: Die neue Qualität, Autor Wolf Lotter, erschienen in: brand eins, 21. Jahrgang, Heft 11, Seite 46
2 ebenda, Seiten 44ff

Typ:
Wohnquartier

Ort:
Pforzheim

Auslober:
STADTBAU GmbH PFORZHEIM und Baugenossenschaft Arlinger e.G.

Status:
Wettbewerb

Jahr:
Planung: 11/2019

BGF:
9.200 m²

Landschaftsarchitektur:
capatti staubach Part GmbB

Technische Gebäudeausrüstung:
Transsolar Energietechnik GmbH

Tragwerksplanung:
bauart Konstruktions GmbH & Co.KG

 

Team:
Tom Kaden | Markus Lager

Aida Conde | Thale Haverkamp | Ramona Schwertfeger | Jessica Sprenger