FEB | 2019 Veröffentlichung auf SPIEGEL +

Hoch gewachsen – Die neuen Holzhochhäuser

"... Der Berliner Designer Tom Kaden arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Holzbau, mit mittlerweile über 200 Projekten. Oft war es ein Kampf, denn Landesbauordnungen ließen lange Zeit keine höheren Holzbauten zu. »Aber es bewegt sich etwas in Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen«, sagt Kaden, nebenher Österreichs erster Professor für Holzbau, an der TU Graz. Er wuchs im Erzgebirge auf, wo sein Vater Holzspielzeug herstellte. In Heilbronn baut er nun das Skaio-Gebäude, mit zehn Stockwerken das höchste Holzhaus Deutschlands.
Holz ist für Kaden nicht nur klimafreundlich, sondern auch sozial verträglich: »Wir müssen viele Städte verdichten «, sagt Kaden: »In Berlin etwa leben 4000 Einwohner pro Quadratkilometer, in Paris, New York, Athen oder Tokio sind es teils doppelt bis fünfmal so viele.«
Und jedes Jahr drängen rund 30000 neue Mitbürger nach Berlin, ähnlich sieht es in anderen – für junge Leute attraktiven – »Schwarmstädten« wie Leipzig, Hamburg oder Frankfurt am Main aus. Bis zum Jahr 2050 dürfte die Zahl der Städter weltweit um 2,5 Milliarden Menschen anschwellen, schätzt eine Studie der Vereinten Nationen.
Holz sei, so Kaden, perfekt für die »Nachverdichtung« geeignet, also für die Unterbringung von mehr Einwohnern pro Häuserblock. Ein Beispiel: Ohne großen Aufwand kann man mit Holz nicht nur ein Stockwerk auf ein Haus setzen, sondern
gleich drei oder vier. So entsteht hochwertiger, kostengünstiger Wohnraum. Können Altbaufundamente die Zusatzlast überhaupt tragen? Vom Gewicht her sei das kein Problem, sagt Kaden: »Holzgebäude wiegen locker ein Drittel weniger als Massivbauten«. Außerdem habe Holz wärmedämmende Eigenschaften und sei mühelos umzubauen: Schnell ist eine Wand eingezogen, eine Decke entfernt.
Doch wenn Holzbauten so viele Vorteile bieten, warum sind sie dann immer noch teurer als Massivbauten, teils um zehn Prozent? Warum ist ihr Anteil an genehmigten Wohngebäuden in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren lediglich von 13 auf knapp 18 Prozent gewachsen?
»Die meisten Holzgebäude sind einzigartige Pilotprojekte«, sagt Kaden, »alles muss jeweils neu entworfen und vom Bauamt genehmigt werden,es fehlen verbindliche Normen.«

von: Hilmar Schmundt

Erschienen in:
www.spiegel.de/plus/, SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG

Ausgabe:
01.02.2019

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