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Holz als Instrument der Stadt

Konstruktivität und Soziabilität zeichnen die Architektur von Kaden+Partner aus. Um Raum, ganz konkret um den Lebensraum der Stadt geht es ihnen und dezidiert nicht um kurzlebige visuelle Ereignisse. Und so ist es wohl kein Zufall, dass die Bauaufgabe Wohnungsbau im Zentrum ihrer Arbeit steht. Die Wohnung als Keimzelle und Schnittpunkt sozialer Interaktion ist ihr Anliegen, Individualität mit der Option der Vergemeinschaftung zu verbinden.

Ihre Projekte wollen als Alternativen zum atomisierten Leben in Suburbia, aber auch zu den neuen Gated Communities in den Städten verstanden wissen. Wozu Kaden+Partner mit Bedacht ihre Wohnungen auf vielfältige Weise zur Stadt öffnen, quasi mit dem Raum der Stadt verweben. So findet sich bei ihren Projekten oft nicht der eine Hauseingang, sondern viele individualisierte Wege zur Wohnung, die viele Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion anbieten. So orientieren sich ihre Wohnungen nicht nur nach zwei Seiten, sondern möglichst nach drei Seiten, die dann auch noch über Balkone, Terrassen oder Loggien in den Außenraum weit ausgreifen. Ihre Fenster sind nicht nur simple Öffnungen einer Lochfassade, sondern Bereiche fließender Übergange von Innen nach Außen, deren bewusst unterschiedlich gewählten Formate und manchmal bizarr anmutende Setzung den Wohnungen unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit und Privatheit ermöglichen.

Sozial, räumlich und städtebaulich ist vor allem ihre Architektur fundiert, was sie anfangs bei ihrem ersten viel gerühmten innerstädtischen Projekt „E3“ in Berlin eher zufällig zum Holzbau brachte, zu der Konstruktionsform, die ihnen konstruktiv, ökonomisch und höchst präzise die meisten Optionen zur Verwirklichung ihrer Anliegen eröffnete. Nicht den klassischen, den reinen Holzbau, sondern Primärkonstruktionen aus Holz verfolgen Kaden+Partner, die von ihnen im Dienste des Raumerlebens mit Formen des Massivbaus zu einer völlig undogmatischen Optimierung der Konstruktion kombiniert werden.

Geringere Kosten, kürzere Bauzeiten, präzisere Umsetzungen der architektonischen Vorgaben und eine bessere Öko-Bilanz sprechen für das Material Holz, das aber erstaunlich selten visuell in Erscheinung tritt. Ganz und gar sachlich bedienen sie sich des Materials, das hier keine falsche Natürlichkeit vortäuscht, sondern als ein wohl durchdachtes Instrument industrieller Vorfertigung eingesetzt wird. Ein Instrument städtebaulicher Verdichtung, dass ihnen erlaubt, hier wie auch bei weiteren Projekten das Haus von der Erschließung, von Treppe und Fahrstuhl abzurücken und den Blockrand geradezu demonstrativ zu öffnen und das Innere nach Außen zu kehren. Das Haus wird zu einem sozialen Ereignis, zu einer räumlich höchst interessanten Komposition unterschiedlich perforierter Volumina, die im Raum der Stadt interagieren.

Dabei fühlt man sich unwillkürlich an Guiseppe Terragnis Mailänder Wohnhäuser oder Mart Stams Amsterdamer Gebäude erinnert. Eher unbewusst ist ihre Nähe zum Büro Kaden+Partner, wo man sich durchaus als Erben der Moderne versteht, aber eher Adolf Loos oder Konrad Wachsmann als ihre Vorbilder nennt. Jedwede Starallüren sind ihnen fremd, sachlich und präzise ist ihr Credo, was Architektur leisten kann, ja sogar für die Gesellschaft leisten sollte. Diese Haltung der Sachlichkeit, ja eines neuen sozial engagierten Realismus teilen sie erstaunlicherweise mit einigen anderen jungen Architekten, mit Andre Kempe und Oliver Thill in Rotterdam oder Ansgar Schulz und Benedikt Schulz in Leipzig. Mit elf anderen jungen Berliner Architekturbüros (deadline, Ludloff+Ludloff, realities:united u.a.) wagen sie nun Alternativen zur Baupolitik der Stadt zu formulieren, was ihnen bereits den Titel „Team XI“ einbrachte – als Verpflichtung und Verheißung eines neuen architektonischen Aufbruchs.

Claus Käpplinger